KOSTENLOSE ANLEITUNG · ZWÖLF BIS ACHTZEHN MINUTEN · ZUM VORLESEN
Mira JanssenEine Induktion ist kein Zauberspruch, sondern eine Bauform. Wer sie einmal sieht, kann sie in jeder Länge und jeder Stimmung wiederholen.
Die Form hat vier Teile — Fixierung, Abwärtsbewegung, Vertiefung, Ausleitung — und jeder hat eine Aufgabe. Was unten steht, ist keine Zusammenfassung, sondern der Wortlaut selbst: zwölf bis achtzehn Minuten, laut vorzulesen, ohne dass du dabei etwas erfinden musst.
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Vier Sätze, wach gesprochen. Sie kosten zwanzig Sekunden und ersparen dir jede Panne, die aus Unsicherheit entsteht:
„Du musst nichts richtig machen. Du kannst mich die ganze Zeit hören, und du kannst jederzeit aufhören — dann sagst du einfach Stopp. Wenn deine Gedanken abschweifen, ist das kein Fehler, das gehört dazu. Ich rede, du hörst zu, mehr ist es nicht.“
Die Induktion
Such dir einen Punkt an der Decke. Irgendeinen. Er muss nicht schön sein, er muss nur da sein.
[Fixierung — der Blick bindet die Aufmerksamkeit, bevor der Körper folgt]
Und während du ihn ansiehst, atme einmal tief ein … und langsam wieder aus.
[Pause]
Deine Lider werden schwerer, jedes Mal, wenn du ausatmest. Nicht weil ich das sage — sondern weil du sie die ganze Zeit offen hältst, und das ist Arbeit.
Du kannst sie noch offen halten. Eine Weile. Und irgendwann ist es einfacher, sie zufallen zu lassen, als sie weiter zu halten. Wann das ist, entscheidet dein Körper, nicht ich.
[warten, bis die Augen zu sind — nicht drängen, nicht kommentieren]
Gut. Und jetzt geht es abwärts.
[Abwärtsbewegung — ab hier nur noch fallende Betonung]
Von deiner Stirn nach unten. Die Stirn wird glatt. Die Kiefer lösen sich — die Zähne müssen sich nicht berühren. Die Schultern fallen, ein Stück tiefer, als du gedacht hättest.
[Pause]
Die Arme werden schwer. Die Hände liegen, wo sie liegen, und du musst sie nicht halten. Der Rücken gibt an die Unterlage ab. Die Beine werden schwer. Die Füße fallen nach außen.
Und mit jedem Ausatmen sinkt das alles noch eine Handbreit tiefer.
[Vertiefung]
Ich zähle jetzt von zehn nach eins. Bei jeder Zahl gehst du eine Stufe tiefer. Du musst nichts dafür tun — nur die Zahl hören.
Zehn … neun … tiefer … acht … sieben, und alles wird ruhiger … sechs … fünf, die Hälfte ist geschafft … vier … drei … zwei … und eins.
[jede Zahl leiser als die vorige; nach „eins“ fünf Sekunden gar nichts sagen]
Da bleibst du jetzt einen Moment. Es gibt nichts zu tun. Ich bin hier, und ich rede gleich weiter.
[hier gehört, was der Abend werden soll — Ruhe, ein Bild, oder das, was im Buch steht]
Regie steht kursiv daneben. Zähl innerlich mit: Wo eine Pause steht, sind drei ruhige Atemzüge gemeint — deiner, nicht seiner.
Das Schlucken ändert sich, der Atem wird flacher und regelmäßiger, das Gesicht wird glatt — besonders zwischen den Brauen. Manchmal zucken die Lider. Das alles heißt: es läuft. Was nicht heißt, dass es nicht läuft: Bewegen, Räuspern, Kratzen. Trance ist keine Lähmung.
Niemand bleibt in Trance stecken, aber jeder wacht schlecht auf, wenn du ihn hochreißt. Also zurück, wie du hingekommen bist, nur andersherum: „Ich zähle jetzt von eins bis fünf. Bei fünf sind deine Augen offen und du bist wach und klar. Eins — es kommt Kraft in die Arme. Zwei — der Atem wird tiefer. Drei — du merkst wieder, wo du liegst. Vier — beweg die Finger und die Füße. Und fünf: Augen auf, ganz wach, ganz da.“ Bleiben die Augen zu, ist das kein Notfall: „Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Bei fünf, wenn du bereit bist.“ Dann Wasser, eine Decke, zehn Minuten nichts Wichtiges besprechen.
Diese Induktion ist der Träger. Was du hineinlegst, entscheidet, ob es ein Entspannungsabend wird oder ein erotischer. Der vollständige geführte Abend — mit Beweis vorweg, erotischem Moment in der Trance, drei Minuten echter Stille und der Aftercare danach — steht in Versinken. Wer lieber die wache Variante will, bei der der Körper weich wird und die Vorstellung hell bleibt, findet sie in Hellwach.
Diese hier zwölf bis achtzehn Minuten, je nachdem, wie viel Pause du aushältst. Kürzer geht, wird aber selten tiefer — die Zeit ist der Wirkstoff.
Nein. Ohne weitere Ansprache geht Trance in normalen Schlaf über oder löst sich von selbst. Die Ausleitung ist trotzdem kein Zierrat — sie entscheidet, wie sich die nächste Stunde anfühlt.
Nein. Langsam schlägt tief, und Pausen schlagen beides. Der häufigste Anfängerfehler ist nicht die falsche Stimme, sondern zu schnelles Sprechen.
Teilweise — dafür gibt es eine eigene Anleitung zur Selbsthypnose, weil beim Alleinsein ein anderer Aufbau nötig ist.
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