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Erotische Hypnose · Für einvernehmliche Erwachsene, 18+
Mira Janssen
Miras Nachtschicht · Staffel 2

Warum Clubs, nicht Firmenfeiern

Man fragt mich manchmal, ob ich auch „was Nettes fürs Team" mache.

Hypnose zum Auflockern. Eisbrecher. Der Kollege gackert, alle klatschen, nächste Folie.

Nein.

Nicht aus Hochmut. Aus Passung.

Was eine Firmenfeier will

Unverbindliche Peinlichkeit. Hierarchie bleibt. Niemand soll wirklich weich werden — außer als Gag. Der Chef schaut zu. HR atmet mit. Der Vertrag ist: Spaß, aber bitte keine Wahrheit.

Mein Handwerk lebt von Wahrheit im Körper. Die verträgt keine Zuschauer mit Assessment-Blick.

Was der Club will (der, in den ich gehe)

Erwachsene. Risiko mit Regeln. Körper, die schon im Raum sind. Weniger Heuchelei, mehr Haut. Nicht moralisch besser — ehrlicher im Begehren.

Hier darf Trance an Sex grenzen, ohne dass jemand so tut, als ginge es um Teamgeist. Hier darf ich Stopp sagen, ohne die Quartalsziele zu retten. Hier ist 18+ keine Deko, sondern die Luft.

Was ich brauche, um gut zu sein

  • Publikum, das nicht meine Angestellten sind
  • Die Erlaubnis, flach und ehrlich abzubrechen
  • Einen Bass, den man runterregeln kann
  • Keine Kameras ohne Ja
  • Einen Ort, an dem Scham und Lust denselben Flur benutzen

Firmenfeiern liefern das Gegenteil in Geschenkpapier.

„Aber Stage-Hypnose macht man doch überall"

Ja. Man kann Hühner-Nummern auf jeder Bühne verkaufen. Ich will den Moment, in dem der Raum kippt, weil jemand freiwillig weich wird — nicht weil die Abteilung es erwartet.

Mein Ort ist der Club, oft der Swingerclub, manchmal dunkler, manchmal nach Putzmittel riechend. Nicht edler. Passender.

Eine Firmenfeier, die ich nicht gemacht habe

Die Anfrage kam höflich, mit Budget, mit Datum, mit dem Satz „wir wollen etwas Besonderes". Besonderes hieß: der Vertrieb soll lachen, die Geschäftsführung soll sitzen bleiben, niemand soll sich unwohl fühlen, und bitte eine Nummer, die man hinterher in der Runde nachspielen kann.

Ich habe drei Fragen gestellt.

Wer sitzt in der ersten Reihe? Der Chef. Wer filmt? „Nur privat, fürs Intranet." Wer darf Nein sagen, ohne dass es die nächste Beurteilung kostet? Lange Pause. Dann: „Das ist doch nur Spaß."

Genau. Nur Spaß. Und genau deshalb gehe ich nicht.

Bühnenhypnose ist ein Handwerk, das man in einen Saal tragen kann. Ich trage es nicht in einen Saal, in dem der Applaus eine Hierarchie hat. Der Unterschied ist nicht die Technik. Der Unterschied ist, wem der Körper gehört, während er weich wird. In einem Club gehört er der Person auf dem Hocker. Auf einer Firmenfeier gehört er — mindestens zur Hälfte — dem Blick, der später das Gehalt unterschreibt.

Das ist keine Moral. Das ist Physik von Status. Wer beobachtet wird, während er nachgibt, gibt nicht nach. Er performt Nachgeben. Und Performen ist das Gegenteil von dem, wofür ich komme.

Die Mechanik: warum Assessment-Blick Trance tötet

Trance braucht eine enge Aufmerksamkeit und einen gesenkten inneren Kommentar. Der Assessment-Blick dreht beides um: die Aufmerksamkeit weitet sich auf den Chef, die Kollegin, die Kamera, und der Kommentar wird laut. Wie sehe ich aus. Was bedeutet das für montags. Lacht er mit oder über mich.

Das ist Fight or Flight in Hemd und Namensschild. Das Nervensystem prüft Gefahr. Gefahr muss hier nicht eine Faust sein. Gefahr ist der Job, der Ruf, die Geschichte, die am Montag in der Küche erzählt wird.

Im Club ist die Gefahr eine andere, und sie ist ehrlicher. Jemand kann zu nah kommen. Jemand kann zu viel wollen. Dafür gibt es Regeln, die niemand als Folie auflegt, und ein Stopp, der den Abend kosten darf. Die Gefahr ist körperlich und sozial — nicht existenziell im Sinne von Miete. Das System kann weich werden, weil der Preis eines Nein nicht die Abteilung ist.

Deshalb wirkt derselbe Satz an zwei Orten verschieden. Die Augen werden schwer ist im Club eine Einladung. Auf der Firmenfeier ist er eine Aufgabe. Aufgaben erzeugt man mit Willen. Willen ist der Gegenspieler.

Was „passend" in der Praxis heißt

Passend heißt nicht: dunkler, schmutziger, sexuell freier, also automatisch gut. Passend heißt: der Vertrag des Raums und der Vertrag meines Handwerks zeigen in dieselbe Richtung.

Im Club, in den ich gehe, gilt ungefähr das:

Der Abend ist 18+. Niemand tut so, als wäre das eine Wellness-Nummer fürs Team. Kameras sind verhandelt oder sie sind aus. Der Bass lässt sich runterregeln, sonst arbeite ich gegen den Brustkorb des Raums. Wer auf den Hocker will, hebt die eigene Hand — nicht die Hand des Partners, nicht die der Clique. Wer aufhören will, hört auf, und der Raum darf unangenehm sein. Unangenehm ist billiger als falsch.

Eine Firmenfeier kann einzelne dieser Punkte erfüllen. Sie erfüllt sie fast nie alle, weil ihr Zweck ein anderer ist. Ihr Zweck ist Zugehörigkeit ohne Risiko. Mein Zweck ist Risiko mit Zugehörigkeit auf Zeit. Das sind zwei verschiedene Abende, die zufällig beide „Event" heißen.

Wer Freiwillige vor liest, kennt die halb gehobene Hand. Auf einer Firmenfeier ist die halb gehobene Hand oft die Hand, die der Nachbar hochdrückt. Das ist kein Ja. Das ist eine Abteilung.

Abgrenzung: ich verachte die Firmenfeier nicht

Ich verachte sie nicht. Ich passe nicht in sie.

Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die Corporate-Shows sauber machen: klarer Rahmen, keine Kamera, ein Moderator, der den Chef in die zweite Reihe setzt, Nummern, die niemanden entkleidet — auch nicht sozial. Das ist ein Beruf. Es ist nicht meiner.

Mein Beruf grenzt an erotische Hypnose, an Körper, die schon im Raum sind, an Abende, in denen Scham und Lust denselben Flur benutzen. Wer das auf eine Weihnachtsfeier trägt, macht aus beidem Kitsch oder einen Vorfall. Beides ist schlechte Arbeit.

Und: Ich bin nicht die Moralpolizei der Unterhaltungsindustrie. Wenn ein Team sich einen Eisbrecher wünscht, soll es einen Eisbrecher buchen. Nur nicht mich, und nicht unter dem Wort Hypnose, als wäre Hypnose ein Synonym für peinliches Lachen.

Was der Club mich kostet — und warum ich zahle

Der Club ist nicht edler. Er riecht manchmal nach Putzmittel. Der Boden klebt. Die Garderobe ist ein Vorhang. Jemand kotzt im Hof. Jemand will umsonst eine Privatsitzung. Jemand filmt, obwohl er es nicht darf, und ich unterbreche die Nummer für ein Handy.

Das zahle ich, weil der Rest stimmt: Erwachsene, die wissen, warum sie da sind. Ein Ja, das man riechen kann. Ein Nein, das den Applaus kosten darf. Ein Raum, in dem Zustimmung keine Folie ist, sondern Schweiß.

Firmenfeiern liefern das Gegenteil in Geschenkpapier. Das Geschenkpapier ist das Problem, nicht das Gegenteil. Man könnte einen sauberen Rahmen in einen Konferenzsaal tragen. Man tut es selten, weil der Saal dann aufhören müsste, Konferenzsaal zu sein.

Ein Abend, der gepasst hat — und einer, der fast nicht

Der passende Abend: ein kleinerer Raum, Bass auf halber Lautstärke, niemand mit Diensthandy in der ersten Reihe. Eine Frau hebt die Hand, setzt sich, atmet zweimal, und der Raum wird stiller als der Bass. Kein Gag. Kein Huhn. Als sie wieder aufsteht, klatscht niemand sofort. Das ist das gute Zeichen. Applaus, der wartet, hat etwas gesehen.

Der unpassende Abend, den ich trotzdem zu Ende gemacht habe, war kein Firmenevent. Es war ein Club, der sich für eine Nacht wie eine Firmenfeier benahm: zu viel Licht, zu viele Freunde einer Person, zu viel „mach mal die Nummer mit dem Huhn, die kennen wir aus YouTube". Ich habe die Nummer nicht gemacht. Ich habe den Hocker leer gelassen und den Abend flacher gefahren, als der Veranstalter wollte. Flach und ehrlich. Der Veranstalter war unzufrieden. Der Körper auf dem Hocker — es gab keinen — war in Sicherheit.

Das ist die ganze Lehre in zwei Bildern. Passung merkt man nicht am Flyer. Passung merkt man daran, ob der Raum einen leeren Hocker aushält.

Wenn der Raum kippt, soll er kippen, weil jemand ja gesagt hat — nicht weil die Abteilung eine Nummer erwartet. Und nach der Show soll niemand den Montag fürchten.

Haken

Am Ende der Staffel: der Heimweg. Neon. Regen oder keine. Was vom Körper übrig ist, wenn der Lärm aufhört.

Letzte Folge.

Häufige Fragen

Machst du wirklich keine Firmenfeiern — oder nur die falschen? Wirklich keine. Ich habe Anfragen, die höflich waren und gut bezahlt. Der Vertrag des Raums war trotzdem falsch. Geld repariert keinen Assessment-Blick.

Ist Bühnenhypnose auf Firmenfeiern Betrug? Nein. Sie ist ein anderes Produkt. Sie verkauft gemeinsames Lachen unter Aufsicht. Ich verkaufe den Moment, in dem jemand freiwillig weich wird. Wer das verwechselt, bucht falsch — oder ich hätte falsch zugesagt.

Was ist mit Teambuilding, das „echte Trance" will? Dann ist es kein Teambuilding mehr. Echte Trance vor Kollegen, die dich beurteilen, ist ein schlechter Deal für den Körper auf dem Hocker. Wenn ein Team das wirklich will, soll es das privat tun, ohne Hierarchie im Zuschauerraum. Das ist dann kein Firmenevent.

Swingerclub — ist das Pflicht, oder nur dein Ort? Mein Ort. Nicht der einzige mögliche. Pflicht ist 18+, ehrliches Begehren oder ehrliche Neugier, und ein Stopp, der den Abend kosten darf. Ein anderer Raum, der das hält, ginge auch. Die meisten Firmenräume halten es nicht.

Kann man den Assessment-Blick „wegmoderieren"? Man kann den Chef in die zweite Reihe setzen und die Kameras verbieten. Das hilft. Es löscht nicht, dass dieselben Leute montags wieder dieselben sind. Der Körper weiß das. Trance ist kein Vergessen der Mietverhältnisse.

Heißt das, Hypnose und Beruf schließen sich aus? Nein. Es heißt, Zuschauer mit Macht über dein Leben und weich werden sich schlecht vertragen. Eine Sitzung unter vier Augen mit einem Kollegen, den du gewählt hast, ist eine andere Konstruktion als eine Show vor der Abteilung.